Nach 34 Jahren, 1.758 Folgen und unzähligen gesellschaftspolitischen Belehrungen war am 29. März 2020 definitiv Schluss. Die allerletzte Episode trug den Titel „Auf Wiedersehen“, doch eine Rückkehr wird es nicht geben. Die ARD-Fernsehprogrammkonferenz fällte das Todesurteil für Deutschlands älteste Wöchentlich-Soap bereits im November 2018.
Das Aus kam keineswegs überraschend. Es war das längst überfällige Ende eines Formats, das sich selbst überlebt hatte.
Quotenabsturz und Kostenfalle: Das unglamouröse Ende der „Lindenstraße“
Dass die Serie eingestellt wurde, hatte keine künstlerischen Ursachen, sondern rein pragmatische und wirtschaftliche Gründe, die vom Sender lange schöngeredet wurden:
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Dramatischer Quoteneinbruch: In ihren Hochzeiten in den late 1980ern und 1990ern lockte die Serie regelmäßig über 10 Millionen Menschen vor die Bildschirme. Am Ende dümpelte die Sehbeteiligung am Sonntagabend um 18:50 Uhr bei mageren 1,5 bis 2 Millionen Zuschauern herum. Ein Großteil des jüngeren Publikums war längst abgewandert.
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Miese Kosten-Nutzen-Bilanz: Die Produktion einer wöchentlichen Serie mit festem Ensemble und riesigem Kulissen-Areal in Köln-Bocklemünd kostete Unsummen an Beitragsgeldern. Die ARD begründete die Absetzung explizit damit, dass das Budget im Verhältnis zur sinkenden Reichweite schlicht nicht mehr vertretbar war.
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Überholtes Konzept: Was 1985 als mutiges Tabubruch-Fernsehen startete (unter anderem mit dem ersten gleichgeschlechtlichen Kuss im deutschen Fernsehen 1990), verkam im neuen Jahrtausend oft zum steifen Erziehungsfernsehen mit Holzhammer-Moral. Streaming-Anbieter und moderne Drama-Serien zeigten zeitgleich, wie man gesellschaftliche Themen ohne Biedermann-Attitüde erzählt.
In der offiziellen WDR-Pressemitteilung zum Ende der Lindenstraße stellte ARD-Programmdirektor Volker Herres klar, dass die Entscheidung schwergefallen sei, die Sparzwänge und das veränderte Sehverhalten jedoch keinen Spielraum mehr ließen.
Am Ende blieb die Erkenntnis: Kult-Status schützt vor Absetzung nicht, wenn das Publikum schlicht abschaltet.
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